Plasma-Anlagenhersteller Christof Diener vereint soziale Verantwortung mit wirtschaftlichem Erfolg als Global Player
Nagold. Fünf Mark verdiente er als Zeitungsjunge und setzte sie meist sofort in Chemikalien oder elektronische Bauteile um. "Professor" nannten ihn die Kinder in seiner Straße. Heute ist Christof Diener erfolgreicher Global Player und dabei vor allem Mensch geblieben
Weltweit hat der Diplom-Ingenieur (FH) rund 1500 seiner in Nagold produzierten Plasma-Anlagen verkauft, an Firmen, an Universitäten. Mit diesen behandelte Teile finden Verwendung im Eurofighter, in der Solartechnik oder bei Kontaktlinsen. Siemens, Sony, TESAT oder B. Braun sind die Kunden. Der Umsatz der 1993 gegründeten "diener electronic GmbH & Co KG" betrug jüngst runde 5,5 Millionen Euro.
Knapp 90 Beschäftigte hat das Unternehmen - Diener duzt sich mit allen, inklusive Azubis und Reinigungskraft. In Jahresfrist zieht die Firma in eigene Räume nach Ebhausen um. Zu eng werden die 3500 gemieteten Quadratmeter. Es wird Wert auf hohe Fertigungstiefe zugunsten prompter Reaktionsfähigkeit, Qualität und Kundennähe gelegt.
Weltmarktführer wurde "diener electronic" auch, da plasmabehandelte Teile in Herzschrittmachern ebenso wie in jedem fünften Handy weltweit stecken. Vier Grundeffekte sind mittels der Technologie auf zwei Wegen erreichbar: Reinigen, Aktivieren, Ätzen oder Beschichten von Werkstoffen - Glas, Keramik, Kunststoffe, Halbleiter. Ein Weg ist, das zu behandelnde Gut in eine Niederdruck-Plasmaanlage ein zu bringen. In dem ofenähnlichen Raum wird Gas in Vakuum durch Energiezufuhr angeregt. Dessen Größe variiert zwischen der eines Mikrowellengeräts und 12,6 Kubikmetern Raum, in denen dann auch Computer-Tomographen behandelt werden können. Durch Ionisierung entsteht darin Plasma, die Oberfläche wird beschichtet oder wie mikro-sandgestrahlt.
"Wie eine Hightech-Waschmaschine", erläutert Silvia Großmann, unter anderem Personalentscheiderin und rechte Hand des Chefs, gekonnt anschaulich, könne man sich das vorstellen, freilich sind dies "Waschmaschinen" für Knie-Implantate oder Leiterplatten.
Aus Lungen-Gewebeproben werden so Asbestfasern frei geätzt. Für Weltraumsatelliten wird Elektronik beschichtet, um sie gegen zerstörerische radioaktive Höhenstrahlung zu schützen. Aber auch Krawatten können hydrophob nano-beschichtet werden - absolut wasserabweisend. Bei der zweiten Maschinen-Art, der Atmosphärendruck-Anlage geschieht prinzipiell dasselbe punktgenau dadurch, dass sich entzündendes Plasma mit Druckluft aus einer Drüse getrieben wird - "Plasmabeam" heißt deshalb die Anlage.
Die große Verantwortung seiner Tätigkeit in so sensiblen Bereichen erfordert neben akribischer Dokumentation bestes Personal. "Bei uns begleitet ein Elektroniker seine Maschine vom Erstellen des Schaltplans bis zur Inbetriebnahme vor Ort", betont der Chef. Das sorge für Zufriedenheit und geringe Fluktuation. "Spezialisierte Mitarbeiter sind schwer ersetzbar. Und zeitfressende Personalfragen ärgern mich", so Diener.
Basteln war und ist sein Ding. Entwickelt wird im Team mit acht Ingenieuren, vier Chemikern, einem Physiker und seinen Technikern, sagt Diener. Beschwerlich finde er das Kaufmännische.
Allüren sind ihm fremd. Weder steht draußen die Zwölf-Zylinder-Nobelkarosse noch muss er auch nur ein Blackberry präsentieren.
Diener ist eine Leseratte. Er öffnet die Schränke zu seinem Schatz: Fachbücher für rund 200 000 Euro, in Deutsch und Englisch türmen sich da. "Ein kleiner Ferrari", meint Silvia Großmann und er: "Mir sind Bücher lieber."